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Im Hörsaal des Tieranatomischen Theaters formiert sich mit dem „Theatre of Memory“ ein außergewöhnliches mikrotonales Ensemble: 70 kugelförmige, farbig leuchtende Lautsprecher ‚hören‘ aufeinander und regen sich an oder hemmen sich über ihre charakteristischen Sinustöne analog zu Nervenzellen. Die sich dynamisch verändernden, rhythmischen Tonfolgen und plötzlichen Clusterentladungen sind nicht durch eine Partitur vorgegeben, sondern entstehen durch akustische Selbstorganisation. Es entstehen komplexe Tonnetzwerke, die sich durch tönende Interventionen immer wieder reformieren.
Premiere feiert diese einzigartige Installation am 11. Januar 2024 um 18.30 Uhr. Nach Grußworten von Prof. Dr. Christoph Ploner (Charité/SFB 1315) und Dr. Elke Lange (Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik) wird Dr. Andreas Beitin vom Kunstmuseum Wolfsburg in der Eröffnungsrede eine Einführung in die Arbeit und das Werk Tim Otto Roths geben.

Eine Musik, die eine Idee der kognitiven Prozesse gibt, die in ihrer Komplexität für uns nach wie vor ein Geheimnis bleiben.

Im immersiven Klanglabor wird nicht nur aktuelle neurowissenschaftliche Forschung erlebbar, sondern Musik sprichwörtlich nervös: Ein ganzer Raum verwandelt sich in ein Netzwerk von interagierenden Tönen, die grundlegende Vorgänge in Nervenzellen widerspiegeln, die uns zu fühlenden und denkenden Wesen machen. Der begehbare Klangraum aus miteinander kommunizierenden Lautsprechern macht es nicht nur möglich, in die Netzwerkstruktur einzutauchen, sondern zugleich kann man mit dieser über Töne und Geräusche interagieren. Wenn man ein Gefühl für die Abläufe bekommen hat, dann lässt sich mit dem „Theatre of Memory“ auf völlige neue Art und Weise musizieren – eine Musik, die eine Idee der kognitiven Prozesse gibt, die in ihrer Komplexität für uns nach wie vor ein Geheimnis bleiben.
Der Konzeptkünstler und Komponist Dr. Tim Otto Roth (geb. 1974 in Oppenau/ Schwarzwald) verbindet in seinem Werk Kunst und Naturwissenschaft auf neuartige Weise und beschreitet somit gemeinsam mit seinen jeweiligen wissenschaftlichen Kooperationspartnern rund um den Globus neue Wege im öffentlichen Dialog. Ein Schlüssel hierfür sind seine raumgreifende Arbeit mit Licht und Klang, die die Besucher:innen eintauchen lässt und ohne theoretisches Vorwissen Phänomene intuitiv erfahrbar werden lässt. Der Musik nähert sich Roth dabei weniger als zeitbasiertem Medium sondern er betont Raum als wesentliches konstitutives Element. Verstärkt wird hierbei das räumliche Erlebnis: komplementär zum Erklingen eines Klangkörpers wird durch dessen Aufleuchten das so nicht hörbare räumliche Gefüge des Klanggeschehens vor Augen geführt.
Seit fast 20 Jahren realisiert der promovierte Kunst- und Wissenschaftshistoriker in enger Zusammenarbeit mit Astro(teilchen)physikern, Mathematikern oder Neurowissenschaftlern einzigartige Projekte mit Einzelpräsentationen am Palazzo Franchetti in Venedig bis hin zum American Museum of Natural History in New York sowie Installationen/Auftritten im ZKM Klangdom in Karlsruhe oder am IRCAM in Paris. Bis zum 25. Februar 2024 ist am Musée des Arts et Métiers seine Klangskulptur `{`aiskju:b`}` zu erleben. Das Theatre of Memory ist ein Projekt von Tim Otto Roth in Kooperation mit dem Tieranatomischen Theater, dem Neurologen Prof. Dr. Christoph Ploner und weiteren Neurowissenschaftler:innen des SFB1315 „Mechanismen und Störungen der Gedächtniskonsolidierung“ der Charité und der Humboldt-Universität Berlin.
Das ``Theatre of Memory`` ist Teil eines Forschungsprojektes am Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik in Frankfurt, die im Rahmen einer ReSilence S+T+ARTS EU-Residency durchgeführt wird. Daher wird das Audioneuronenorchester in einer kleineren Formation vom 15.-28. Februar am Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik in Frankfurt zu Gast sein.

Impressum

Künstlerisches Konzept und Realisierung: Tim Otto Roth
Leitung TA T: Felix Sattler
Projektmanagement: Miriam Seidler, Antonia Willisch
Wissenschaftlicher Kooperationspartner: Christoph Ploner
Akustische Beratung: Bernhard Seeber, Simon Zierke
Tagungskonzept: Christoph Ploner, Miriam Seidler, Tim Otto Roth
Programmierung: Manuel Prugel
Hardware-Entwicklung: Benjamin Piltz
Graphik: studio +fronczek
Hängekonstruktion: Alexander Kichka, Michael Reyl, Asko Fromm, Jan Kimmig
Lautsprechermontage: Paul Federau, Jonah Größle, Moritz Schulz
Ausstellungsaufbau: Björn Matzen/visionb, Caspar Pichner
Herzlichen Dank an Melanie Wald-Fuhrmann, Elke Lange, Holger Stenschke und Lovre Bogdanic vom Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik in Frankfurt, sowie an Matthew Larkum und die Mitglieder des SFB1315.