THE DEAD, AS FAR AS [ ] CAN REMEMBER
Wissen und Kontroversen über koloniale Gewalt, Antikolonialen Widerstand, menschliche Überreste und Objekte aus den ehemaligen Kolonien in Museen und Sammlungen.
An was erinnert wird, wie das geschieht und wo die materiellen Zeugnisse aufbewahrt werden, hängt davon ab, ‚wer spricht’.
Die Geschichte kolonialer Gewalt wird auf sehr unterschiedliche Weise erinnert. Sie betrifft die individuelle und kollektive Erinnerung von Nachkommen der Opfer. Sie ist eng mit Museen und Sammlungen verbunden, in denen menschliche Überreste und Objekte aus den ehemaligen Kolonien aufbewahrt werden. Sie ist Teil der Geschichte der Universitäten – einschließlich der Humboldt Universität – wo Sammlungen beforscht wurden, die zur wissenschaftlichen Begründung von Kolonialismus und Rassismus beigetragen haben
In vier Kapiteln zeigt The Dead, as far as [ ] can remember die Vielfalt des Wissens und die Kontroversen über die Kolonialgeschichte mit transnationalen Stimmen aus der Vergangenheit und Gegenwart. Bildende und darstellende Künstler_innen, Wissenschaftler_innen, Museumsmitarbeiter_innen und dekoloniale Aktivist_innen kommen zu Wort.
Die Ausstellung wird ergänzt durch ein Rahmenprogramm mit Performances, Vorträgen und Diskussionen, die den aktuellen Stand der Forschung an der Humboldt Universität mit außer universitären Perspektiven in Verbindung bringen.
Kapitel
Kapitel 1:
Berlin Postkolonial: BREAKING THE SILENCE I – DER ZORN DES MDACHI BIN SHARIFU
Im Spätsommer 1919, kurz nach Deutschlands endgültigem Verlust seiner Kolonien, tritt ein junger Ostafrikaner namens Mdachi bin Sharifu in mehreren Städten als Redner über „Unsere koloniale Vergangenheit“ auf. In Berlin, Erfurt und Hamburg ist es das erste Mal, dass ein Schwarzer diesbezüglich das Wort ergreift. Doch nicht allein deshalb rufen seine Auftritte im ‚weißen‘ Publikum heftige Reaktionen hervor. Nach der regierungsseitigen Unterdrückung einer Petition der afro-deutschen Community um Martin Dibobe aus Kamerun geht Sharifu nun sowohl mit dem deutschen Kolonialregime als auch mit dem anhaltenden Kolonialrassismus in
Deutschland öffentlich ins Gericht.
Ausgehend von ausgewählten Fotografien aus der Sammlung des Plantagenbesitzers Karl Vieweg, welche die Botschaft Tansanias dankenswerterweise zur Verfügung gestellt hat, hinterfragt der Raum von Berlin Postkolonial den langlebigen Mythos von der Loyalität der Kolonisierten zum deutschen Kaiserreich.

Impressum
Eine Produktion von Berlin Postkolonial. Dank an die Botschaft der Vereinigten Republik Tansania, die Stiftung Nord-Süd-Brücken, die Berliner Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit, Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und die Rosa-Luxemburg-Stiftung.
Kapitel 2:
Just Listen
Stimmen zu Erinnerungspolitik und Deutscher Kolonialgeschichte. Bis heute prägt Kolonialrassismus das Zusammenleben der Menschen weltweit. Dennoch und gerade deshalb findet das Thema in Europa und den USA wenig Beachtung: Nicht gern spricht der Westen über die Zeit seiner gewalttätigen Expansion, über Versklavungshandel und Genozid – schon gar nicht mit den Nachfahren der Kolonisierten selbst.
Just Listen ist ein Kooperationsprojekt von Studierenden der Freien Universität Berlin in Zusammenarbeit mit Leftvision und Berlin Postkolonial und soll einen Anstoß geben, sich mit der Geschichte und den Kontinuitäten des Kolonialismus kritisch zu beschäftigen. Das Projekt stellt daher die Perspektiven von Rassismus Betroffener in den Mittelpunkt. Aktivist*innen und Expert*innen, die sich seit vielen Jahren für eine verantwortungsvolle Auseinandersetzung mit Kolonialismus und Rassismus einsetzen, gehen in Interviews auf wichtige Fragen zum Umgang mit der deutschen Kolonialzeit und der gemeinsamen Aufarbeitung ein.

Impressum
Eine Produktion von Studierenden der Freien Universität Berlin in Kooperation mit Leftvision und Berlin Postkolonial.
Kapitel 3:
Tal Adler: Dead Images
Methoden des Sammelns, Messens, Kategorisierens, Lagerns und Darstellens von Schädeln, die im 19. und frühen 20. Jahrhundert entwickelt wurden, waren in Kolonialismus und wissenschaftlichen Rassismus verwickelt. Anthropometrie, ‚Typen‘ und andere Formen der anthropologischen Fotografie – entwickelt als Werkzeuge zur Messung, Klassifizierung und Rassifizierung der Lebenden – hatten neben der Erforschung der Überreste der Toten Konjunktur.
Dead Images untersucht das komplexe und strittige Erbe zweier Sammlungen, die in der Anthropologischen Abteilung des Naturhistorischen Museums Wien aufbewahrt werden. Eine dieser Sammlungen besteht aus über 40.000 menschlichen Schädeln. Innerhalb dieser Sammlung ist eine zweite Sammlung von über 50.000 anthropologischen Fotografien untergebracht.
Durch multidisziplinäre Forschung, eine Wanderausstellung, ein Bildungsprogramm und öffentliche Veranstaltungen reflektiert Dead Images die ethischen, wissenschaftlichen und politischen Implikationen solcher Sammlungen und ihrer Ausstellung.

Impressum
Eine Produktion von Tal Adler (Künstler, CARMAH HU Berlin) mit Linda Fibiger (Bioarchäologin, Universität Edinburgh), John Harries (Sozialanthropologe, Universität Edinburgh), Joan Smith (Künstlerin, Edinburgh College of Art), Anna Szöke (Kunsthistorikerin, CARMAH HU Berlin), Maria Teschler-Nicola (Physische Anthropologin, NHM Wien).
Dead Images ist ein Teil des EU H2020 Projekts TRACES
Kapitel 4:
Flinn Works: Mangi Meli Remains
In Old Moshi, Tansania, wird ein Kopf vermisst. Chief Mangi Meli kämpfte dort gegen die deutsche Kolonialmacht und wurde im Jahr 1900 hingerichtet. Sein Kopf, so erzählt man sich bis heute, sei nach Deutschland verschifft worden. Felix von Luschan hortete damals tausende Schädel aus aller Welt für die ‚Rassenlehre‘ im Völkerkundemuseum. Noch immer lagern viele davon in Berlin, auch aus
Old Moshi. Mangi Melis Enkel sucht seit 50 Jahren nach dem Haupt seines Großvaters, bis jetzt ohne Erfolg.
Doch Spuren von Mangi Meli finden sich in Liedern, Erzählungen und Archiven. Ein tansanisch deutsches Team entwickelt daraus eine Videoskulptur, ein Animationsfilm zeichnet das Leben des Freiheitskämpfers, seinen gewaltsamen Tod und die mögliche Reise seines Kopfs nach. Historische Fotos und Dokumente ergänzen die Ausstellung. Mangi Meli Remains wird von Berlin über Dar Es Salaam nach Old Moshi reisen und dort am Originalschauplatz dauerhaft an Mangi Meli und das Fehlen seines Haupts erinnern.

©Flinn Works / Amani Abeid, Foto: Daniel Kovalenko
Impressum
Eine Flinn Works Produktion in Zusammenarbeit mit dem Ethnologischen Museum Berlin.
Gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa, das Goethe-Institut Tansania und Between Bridges
Veranstaltungen
Schädel X
26. Oktober, 3. & 9. November 2018, 20 Uhr
Lecture Performance von Flinn Works
Künstlerische Forschung und kreative Praxis zu kolonialen Sammlungen und (post)kolonialen Erinnerungskulturen
20. November 2018, 19 Uhr
Paneldiskussion mit Amani Abeid, Anaïs Héraud-Louisadat, Nathalie Anguezomo Mba Bikoro, Dr. Lili Reyels
Moderation: Anne Fleckstein. In Englischer Sprache
Verlorene Form. Eine transdisziplinäre Auseinandersetzung mit Lebendabgüssen in Gips
8. Dezmeber 2018, 19 Uhr
Präsentation von Dr. Britta Lange, Thomas Schelper, Kerstin Stoll
Provenienzforschung zwischen Forensik und Erinnerungskultur
17. Januar 2019, 19 Uhr
Diskussion mit Dr. Larissa Förster und Dr. Holger Stoecker
Moderation: Felix Sattler
Impressum
Siehe die einzelnen Kapitel zu detaillierten Angaben.
- Kurator: Felix Sattler
- Szenografie und kuratorische Assistenz: Katharina von Hagenow, Katharina Otto
- Öffentlichkeitsarbeit: Luise Wolf
- Ausstellungstechnik: Bernd Michael Weisheit
Partner

Die Ausstellung ist Teil des Programms der Humboldt-Universität zur Berlin Science Week 2018.
Leichte Sprache
Wer erinnert sich an die Geschichte?
Menschen erinnern sich unterschiedlich an die Geschichte.
Die Ausstellung erzählt von der Zeit des Kolonialismus.
Kolonialismus bedeutet:
Ein Land nimmt ein anderes Land in Besitz.
Das Land bestimmt dann über die Menschen dort.
Deutschland hatte früher Kolonien.
Viele Menschen wurden dabei schlecht behandelt.
Viele Menschen wurden getötet.
Bis heute erinnern sich Menschen auf unterschiedliche Weise an diese Zeit.
Wichtig ist:
Wer erzählt die Geschichte?
Welche Erinnerungen werden gehört?
Wo werden Gegenstände und menschliche Körper-Teile aufbewahrt?
Auch die Kinder und Enkel von Opfern erzählen von dieser Geschichte.
Museen und Sammlungen spielen dabei eine wichtige Rolle.
Dort werden bis heute Gegenstände und Körper-Teile aus ehemaligen Kolonien aufbewahrt.
Auch Universitäten haben eine Verantwortung in dieser Geschichte.
Dazu gehört die Humboldt-Universität.
An Universitäten wurden solche Sammlungen untersucht.
Dabei entstanden auch falsche Vorstellungen über Menschen.
Diese Vorstellungen wurden benutzt, um Rassismus und Kolonialismus zu rechtfertigen.
Die Ausstellung
Die Ausstellung The Dead, as far as [ ] can remember zeigt verschiedene Geschichten und Erinnerungen.
Die Ausstellung hat vier Kapitel.
Darin kommen verschiedene Menschen zu Wort:
- Künstler*innen
- Wissenschaftler*innen
- Menschen aus Museen
- Aktivist*innen
Sie sprechen über die Geschichte des Kolonialismus und darüber, wie Menschen sich heute daran erinnern.
Die vier Kapitel
Kapitel 1: Berlin Postkolonial – Breaking the Silence I
Das Kapitel erzählt von Mdachi bin Sharifu.
Er sprach 1919 in Deutschland über die deutsche Kolonialzeit.
Er kritisierte den deutschen Kolonialismus und Rassismus.
Kapitel 2: Just Listen
Menschen sprechen über die deutsche Kolonialzeit.
Im Mittelpunkt stehen Menschen, die Rassismus erleben.
Kapitel 3: Tal Adler – Dead Images
Das Kapitel zeigt menschliche Schädel und alte Fotografien.
Die Schädel und Fotografien wurden gesammelt und untersucht.
Dabei wurden Menschen nach bestimmten Merkmalen eingeteilt.
Diese Forschung war mit Rassismus und Kolonialismus verbunden.
Kapitel 4: Flinn Works – Mangi Meli Remains
Das Kapitel erzählt die Geschichte von Mangi Meli.
Er kämpfte gegen die deutsche Kolonialmacht in Tansania.
Die Deutschen ließen ihn im Jahr 1900 töten.
Danach wurde sein Kopf nach Deutschland gebracht.
Bis heute wird nach seinem Kopf gesucht.
Begleitprogramm
Zur Ausstellung gibt es weitere Veranstaltungen.
Dazu gehören:
- Performances
- Vorträge
- Gespräche
Dabei treffen Forschung an der Humboldt-Universität und andere Sichtweisen aufeinander.


