Fokus: Access und Co-Creation

Für Informationen zur Barrierefreiheit, bitte hier nachlesen.

Leichte Sprache

Im Tier·anatomischen Theater sollen viele Menschen mitmachen können.

Wir glauben:
Behinderte Menschen sollen nicht nur Zugang zu Ausstellungen und Wissen haben.
Sie sollen selbst Wissen, Kunst und neue Ideen mitgestalten.

Darum arbeiten wir mit blinden und seh·behinderten Menschen, Künstler*innen, Forschenden und anderen Partner*innen zusammen.

Ein wichtiges Projekt heißt DEEP_ABILITIES.
Dort erforschen wir gemeinsam die Tiefsee mit Hören, Tasten und anderen Formen der Wahrnehmung.

Wir möchten Barrieren abbauen und gemeinsam neue Formen von Wissen und Ausdruck entwickeln.

Unterschiedliche Verständnisse von Teilhabe und Barrierefreiheit

Begriffe wie Inklusion, Teilhabe, Barrierefreiheit, Accessibility oder Access werden in unterschiedlichen gesellschaftlichen, wissenschaftlichen und politischen Kontexten sehr verschieden verstanden. Selbsthilfe- und Betroffenenverbände, Rehabilitationswissenschaften, Disability Studies, Critical Disability Studies, Disability Arts, Medizin, Kulturinstitutionen oder Bildungseinrichtungen verfolgen teilweise unterschiedliche Ansätze und Prioritäten.

Diese Vielfalt betrachten wir grundsätzlich als produktiv. Gleichzeitig unterscheiden sich diese Perspektiven darin, wie stark sie von den Erfahrungen, Perspektiven und Wissensformen behinderter Menschen selbst ausgehen.

Insbesondere die Critical Disability Studies und Disability Arts haben in den vergangenen Jahrzehnten darauf hingewiesen, dass Barrierefreiheit und Teilhabe nicht allein als Zugang zu bereits bestehendem Wissen, bestehenden Institutionen oder bestehenden kulturellen Formen verstanden werden sollten. Stattdessen rücken sie die Frage in den Mittelpunkt, wie behinderte Menschen selbst Wissen, Kultur, Ästhetik und gesellschaftliche Perspektiven mitgestalten und hervorbringen.

Warum wir von Access sprechen

Vor diesem Hintergrund stellen wir am Tieranatomischen Theater (TA T) bewusst den Begriff Access in den Mittelpunkt unserer Arbeit.

Mit Access meinen wir nicht ausschließlich den Abbau von Barrieren oder den Zugang zu bestehenden Angeboten. Vielmehr verstehen wir Access als die Möglichkeit, an der Entstehung von Wissen, kulturellen Formen und institutionellen Praktiken mitzuwirken.

Dabei orientieren wir uns insbesondere an Artikel 30 Absatz 2 der UN-Behindertenrechtskonvention. Dort heißt es:

„Die Vertragsstaaten treffen geeignete Maßnahmen, um Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit zu geben, ihr kreatives, künstlerisches und intellektuelles Potenzial zu entfalten und zu nutzen, nicht nur für sich selbst, sondern auch zur Bereicherung der Gesellschaft.“

Für uns beschreibt dieser Gedanke einen grundlegenden Perspektivwechsel: Während sich klassische Maßnahmen der Inklusion in Kulturinstitutionen häufig auf den Zugang zu bestehendem Wissen konzentrieren, verstehen wir Access als Beteiligung an der Entstehung neuen Wissens, neuer ästhetischer Ausdrucksformen und neuer institutioneller Praktiken.

Wir gehen davon aus, dass behinderte Menschen eigenständige Perspektiven, Erfahrungen und Wissensformen einbringen, die nicht nur bestehende Institutionen erweitern, sondern neue Formen des Denkens, Wahrnehmens und Gestaltens hervorbringen können — in Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft.

Access als kollaborative Praxis

Seit 2025 bildet Access und Co-Creation einen zentralen Entwicklungsschwerpunkt des TA T. Durch experimentelle, forschungsgeleitete und kollaborative Praktiken entwickeln wir neue Ansätze zu Access, multisensorischer Vermittlung und disability-centred Wissensproduktion an den Schnittstellen von Wissenschaft, bildender Kunst, Sammlungen und Gesellschaft.

Am TA T verstehen wir Access nicht lediglich als Abbau von Barrieren, sondern als einen fortlaufenden kollaborativen Prozess, der mitgestaltet, wie Wahrnehmung, Teilhabe und Wissen in Ausstellungen, Forschung und öffentlichen Formaten ausgehandelt werden.

Unsere Arbeit versteht Access als multisensorische, relationale und co-kreative Praxis. Dabei geht es unter anderem um die Frage, wie Sammlungen und wissenschaftliche Materialien jenseits dominanter epistemischer, sensorischer und repräsentationaler Ordnungen erfahrbar werden können, wie sich institutionelle Praktiken durch Zusammenarbeit verändern lassen und wie wissenschaftliche, künstlerische und erfahrungsbasierte Wissensformen auf Augenhöhe miteinander in Dialog treten können.

Anstatt Accessibility als festen institutionellen Standard zu begreifen, verstehen wir Access als situierten und sich fortlaufend entwickelnden Prozess, der kontinuierlichen Austausch, Zusammenarbeit, Experiment und gemeinsames Lernen erfordert.

DEEP_ABILITIES

Ein zentraler Bestandteil dieses Arbeitsfeldes ist das Langzeitprojekt DEEP_ABILITIES (Projektleitung: Felix Sattler), das disability-centred und co-kreative Zugänge zu Tiefsee-Sammlungen durch Ausstellungspraxis, bildende Kunst, multisensorische Forschung und kollaborativen Wissensaustausch entwickelt.

Gemeinsam mit blinden und sehbehinderten Künstler*innen, Forschenden, künstlerischen und wissenschaftlichen Beirät*innen sowie Partnerinstitutionen untersucht das Projekt, wie sich Tiefsee-Umwelten und Sammlungen durch taktile, akustische und nicht-visuelle Formen der Wahrnehmung erschließen lassen.

Zugleich untersucht das Projekt, wie disability-centred Perspektiven zu neuen Formen der Wissensproduktion und institutionellen Praxis in sammlungsbasierten, wissenschaftlichen und künstlerischen Kontexten beitragen können.

Zusammenarbeit und Wissensaustausch

Durch langfristige Kooperationen mit Museen, Universitäten, Künstler*innen, Forschenden und disability-centred Praktiker*innen möchte das TA T zur Entwicklung experimenteller Methoden und übertragbarer Praktiken für Access und multisensorische Vermittlung beitragen.

Dazu gehören kollaborative Forschungsprojekte, Fellowships, multisensorische Ausstellungsformate, Workshops, öffentliche Programme sowie institutionelle Austauschformate, die sich mit Fragen von Wahrnehmung, Teilhabe und Access über disziplinäre und institutionelle Grenzen hinweg beschäftigen.

Langfristig möchten wir durch experimentelle und forschungsgeleitete Kooperationen zu breiteren Diskussionen über disability-centred Access und kollaborative Praxis in kulturellen, wissenschaftlichen und sammlungsbasierten Kontexten beitragen.

Zu den verwendeten Begriffen

Auf dieser Seite verwenden wir bewusst einzelne englischsprachige Begriffe wie Access, Accessibility oder disability-centred.

Diese Begriffe wurden maßgeblich von betroffenen Communities geprägt und haben sich insbesondere im Kontext der Critical Disability Studies sowie internationaler Disability-Arts-, Museums- und Forschungskontexte differenzierter entwickelt als viele ihrer gegenwärtigen deutschsprachigen Entsprechungen.

Auch im deutschsprachigen Raum werden diese Begriffe vielfach bewusst verwendet, da sie spezifische soziale, politische und epistemische Perspektiven sichtbar machen, die sich nur eingeschränkt übersetzen lassen.

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