Barrierefreiheit

Wo wir stehen

Das Tieranatomische Theater versteht sich als ein Ort, an dem Menschen auf unterschiedliche Weise zusammenkommen und in einen offenen Austausch treten können. Gleichzeitig möchten wir klar sagen: Wir sind weit davon entfernt, perfekt zu sein, wir sind nicht einmal annähernd dort. Barrierefreiheit ist für uns kein abgeschlossener Zustand, sondern ein fortlaufender Prozess, der kontinuierliche Reflexion, Lernen und Veränderung erfordert.

Unser Anspruch ist es, zu einer Umgebung beizutragen, die so weit wie möglich frei von Diskriminierung und Barrieren ist.

Barrierefreiheit als Ko-Kreation

Barrierefreiheit ist für uns kein zusätzlicher Schritt oder eine nachträgliche „Übersetzung“. Sie ist Teil der Wissensproduktion selbst.

Wir verstehen Barrierefreiheit als eine sich entwickelnde, forschungsbasierte Praxis, die auf Ko-Kreation beruht. Das bedeutet, dass Formate, Methoden und Kommunikationsweisen gemeinsam mit denjenigen entwickelt werden, die von Barrieren betroffen sind, anstatt für sie entworfen zu werden.

Diese Verschiebung verlagert den Fokus von der bloßen Zugänglichmachung bestehenden Wissens hin zur gemeinsamen Produktion von Wissen, im Sinne der Prinzipien von Teilhabe und Inklusion, wie sie in der UN-Behindertenrechtskonvention formuliert sind.

Programme wie DEEP_ABILITIES sind zentral für diesen Ansatz. Sie fördern disability-zentrierte Formen der Wissensproduktion und des Austauschs, die gemeinsam mit Beteiligten entwickelt werden und nicht für sie.

Physischer Zugang

Mit Ausnahme der Sitzreihen und der Galerie im historischen anatomischen Hörsaal sind alle Bereiche des Gebäudes für Menschen zugänglich, die Mobilitätshilfen nutzen oder Treppen vermeiden möchten. Ein Aufzug verbindet das Erdgeschoss mit dem Obergeschoss. Zudem steht ein ausgewiesener Parkplatz für Personen mit entsprechendem Berechtigungsausweis zur Verfügung.

Das Tieranatomische Theater ist ein denkmalgeschütztes Gebäude. Anforderungen des Denkmalschutzes und der Barrierefreiheit können dabei in Konflikt geraten. Gleichzeitig sind wir uns bewusst, dass Ausschlüsse häufig in historischer Architektur eingeschrieben sind. Wir sind überzeugt, dass ein Denkmal nur dann gegenwärtig relevant ist, wenn es für alle zugänglich ist, und bemühen uns, diese Einschränkungen so weit wie möglich zu überwinden.

Sprache und Kommunikation

Wir bemühen uns, diskriminierende Sprache, einschließlich ableistischer Begriffe, zu vermeiden und verzichten möglichst auf defizitorientierte Ausdrucksweisen. Dies führt teilweise dazu, dass wir auch Begriffe nicht verwenden, die allgemein verbreitet sind.

Gleichzeitig respektieren und übernehmen wir Begriffe, wenn sie von Kollaborateur:innen und Partner:innen eingeführt werden, die selbst von den entsprechenden Zuschreibungen betroffen sind.

Wir verstehen Sprache als von langen Ausschlussgeschichten geprägt. Geschlechterbias, Rassismus und Ableismus sind in viele sprachliche Strukturen eingeschrieben. Auch scheinbar neutrale Metaphern können bestimmte Perspektiven privilegieren, etwa visuelle Formen des Verstehens, die westliche Wissenschaftstraditionen stark prägen. In unserer täglichen Arbeit bemühen wir uns daher um einen bewussten und sorgfältigen Umgang mit Sprache.

Uns ist bewusst, dass diese Praxis Texte weniger vertraut oder unmittelbar zugänglich machen kann. Wir versuchen, hier eine Balance zu finden, und laden zugleich dazu ein, Sprache kritisch zu reflektieren und sich auch auf ungewohnte Begriffe einzulassen.

Mehrsprachigkeit

Grundsätzlich streben wir mehrsprachige Formate in Ausstellungen und Veranstaltungen an. Deutsch und Englisch sind häufig vertreten, jedoch keineswegs ausschließlich.

Welche Sprachen wir anbieten, hängt vom jeweiligen Projektkontext und den Hintergründen der Beteiligten ab. Dies ist besonders relevant in der Zusammenarbeit mit historisch marginalisierten Gemeinschaften, bei denen sprachliche Zugänge eine Voraussetzung für tatsächliche Teilhabe und Austausch sind.

Leichte Sprache und alternative Formate

Wir arbeiten zunehmend daran, Inhalte in Leichter Sprache bereitzustellen, um den Zugang für Menschen mit Lernschwierigkeiten zu verbessern. Dies ist ein fortlaufender Prozess und Teil eines umfassenderen Ansatzes, unterschiedliche Formen des Zugangs zu entwickeln. Derzeit nutzen wir KI-gestützte Werkzeuge, um Texte in Einfache Sprache zu übertragen. Für eine Umsetzung nach den offiziellen Standards der Leichten Sprache wäre zusätzlich eine Prüfung gemeinsam mit entsprechend qualifizierten Vertreter*innen der Community erforderlich. Daher stellen wir, wo immer möglich, Versionen in Einfacher Sprache bereit.

Bewusstsein für Inhalte

Die Themen, mit denen wir uns beschäftigen, beinhalten häufig sensible Inhalte, etwa koloniale Gewalt, Wissenschaftsgeschichte oder Fragen persönlicher und kollektiver Identität. Einige dieser Themen sind Gegenstand breiter gesellschaftlicher Auseinandersetzungen.

Wir sind der Überzeugung, dass diese Inhalte so vermittelt werden sollten, dass sie eine kritische Auseinandersetzung ermöglichen und zugleich den Perspektiven derjenigen Raum geben, die unmittelbar davon betroffen sind. Dazu gehört auch, auf potenziell schädliche Darstellungsformen zu verzichten und die Rechte sowohl lebender als auch verstorbener Personen zu respektieren. Aus diesem Grund zeigen wir bestimmte Materialien oder „Objekte“ nicht.

Zudem bemühen wir uns, im Vorfeld darüber zu informieren, was Besucher:innen erwartet, einschließlich möglicher belastender oder triggernder Inhalte, um informierte Entscheidungen über eine Teilnahme zu ermöglichen.

Historisches Bewusstsein

Das Tieranatomische Theater ist ein Denkmal, das das Zusammenspiel von Architektur, Wissenschaft und Gesellschaft widerspiegelt. Es ist zugleich Teil einer Geschichte, die preußischen Nationalismus und Militarismus ebenso umfasst wie die Haltung und Tötung von Tieren zu Lehr- und Forschungszwecken.

Wir möchten diese Geschichte nicht ausblenden, sondern sie zum Gegenstand kritischer Auseinandersetzung und Vermittlung machen.

Feedback und Kontakt

Barrierefreiheit erfordert strukturelle Veränderungen und kontinuierlichen Austausch. Wir freuen uns über Rückmeldungen, Kritik und Anregungen.

Wenn Sie diskriminierendes oder verletzendes Verhalten im Rahmen unseres Programms oder durch Mitarbeitende oder Besucher:innen erleben, kontaktieren Sie uns bitte unter:
tieranatomisches-theater@hu-berlin.de

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